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Das Kirchspiel-Groß-Bertung-Treffen 2008 Von W. Behrendt
Mensch war das mal wieder schön!
Ich durfte wieder viele nette Menschen aus unserer alten Heimat begrüßen, sie umarmen, ihnen die Hand schütteln, mit ihnen plaudern, mit ihnen lachen, mit ihnen tanzen und, und, und … Und schon wieder konnte ich mich, zuhause angekommen, nicht gleich ins Bett legen; zu viele Eindrücke gingen mir im Kopf herum. Meine Freunde, Małgosia und Allo Ritter, legten auf der Rückfahrt nach Grünbach (nahe Erding) bei uns in Bruchköbel einen Zwischenstopp ein. Wir, Allo und ich, wussten, dass es schwer sein würde, ohne ein Beruhigungsmittel einzuschlafen. Deshalb tranken wir ein paar Flaschen des Schlafmittels, das aus Gerste und Hopfen hergestellt wird. Irgendwann, ich glaube es war gegen halb zwei nachts, tat dieser herrliche Saft dann seine Wirkung, und um zwei Uhr erreichten wir dann die nötige Bettschwere. In den zwei Stunden besprachen wir die wichtigsten Ereignisse unseres Treffens.
Zuerst ist die hervorragende Organisation des Treffens zu loben. Ewa und Robert Wiech, der Vereinsvorsitzende, und, wie immer, unser Stern, Klaus Schwittay, seines Zeichens Schatzmeister, haben hier ganze Arbeit geleistet. Da ich auch schon am Freitag bei den Vorbereitungen in der Stadthalle anwesend war und auch im Vorfeld des Treffens einiges mitbekommen hatte, weiß ich ziemlich genau, was die drei geleistet haben. Dafür herzlichen Dank! Ihr habt uns wunderbare Bedingungen für eine rundherum gelungene Begegnung geschaffen.
Ein großes Lob auch den vielen Helfern, den Mitgliedern des Vereins „Freunde des Kirchspiels Groß Bertung“. Ich werde die einzelnen Namen dieser Personen hier nicht aufführen, alle sind auf den unten gezeigten Fotos zu sehen. Aufgefallen ist mir nur, dass unsere männlichen Mitglieder auch typische Frauentätigkeiten ausführten. Wieso muss ein Mann, stark wie ein Bär, Kerzen auf den Tischen aufstellen? Schämen solltet ihr euch! Man merkte, dass die Vereinsfrauen hier das Kommando hatten! Ich persönlich konnte mich dieses Mal vor den Arbeiten ein wenig drücken. Denn ich war damit beschäftigt, die Anstrengungen unserer Mitglieder fotografisch zu dokumentieren. Blöde Ausrede, nicht wahr? Die Ärmel habe ich erst hochgekrempelt und mit der eigentlichen Arbeit angefangen, als mir Ewa Wiech deutlich zu verstehen gab, dass eine Leistungssteigerung durchaus erwünscht sei. Liebe Ewa! Das war zu diesem Zeitpunkt auch langsam notwendig. Zuerst habe ich mich zwar ein wenig gewundert, denn zu Hause würde ich mir das nicht bieten lassen, aber im Nachhinein betrachtet muss ich sagen: Das war schon okay, denn Drückeberger können wir in unseren Reihen nicht gebrauchen! Vielleicht kann meine liebe Ehefrau von diesen sanften Erziehungsmaßnahmen auch ein wenig profitieren.
Jetzt ein paar Worte zum Treffen selbst:
Mensch! Ist es euch, liebe Besucher, aufgefallen, wie herrlich der Kuchen schmeckte? Das ist kein Zufall! Denn er wurde hauptsächlich von den Vereinsmitgliedern, genauer gesagt, von unseren Mädels, gebacken. Gott sei Dank, dass ich keine Zeit für das Mittagessen fand. So konnte ich mir mit Hochgenuss und gutem Gewissen gleich ein paar Stücke von dem leckeren Kuchen einverleiben. Auch an euch, liebe Mädels, vielen Dank! Abgesehen davon, dass ihr uns eine kulinarische Freude bereitet habt, habt ihr noch zusätzlich unsere Vereinkasse nicht unerheblich gefüllt. Und wir sind, wie ihr wisst, auf jeden Cent angewiesen! An solchen Aktionen merkt man auch, wie ernst euch die Arbeit in unserem Verein ist. Nochmals vielen Dank!
Unser Treffen begann, wie immer, mit einem Gottesdienst. Ich vermeide hier bewusst die Bezeichnung „ermländischer Gottesdienst“, denn ich kenne den Unterschied zwischen einem ermländischen und einem z. B. bayrischen Gottesdienst nicht. Oder vielleicht doch? Einen Unterschied gibt es auf jeden Fall: wir sprechen Hochdeutsch.
Jetzt muss ich noch ein wenig klagen, nicht anklagen. Wir, die eigentlichen wichtigen Teilnehmer dieses Treffen, wurden gerade noch im letzten Atemzug, nach der Begrüßung der vielen Honoratioren, erwähnt. Ich bin der festen Überzeugung, dass es in unseren Reihen sehr viele Menschen gibt, die, wie die Honoratioren auch, sehr viel in ihrem Leben geleistet haben. Ich bin mir allerdings auch sicher, dass selbst der Erzbischof nichts dagegen gehabt hätte, wenn seine Schäflein zuerst und nicht am Ende eine herzliche Begrüßung erfahren hätten. Denn auch er weiß, dass wir nicht in erster Linie seinetwegen nach Meinerzhagen gekommen sind. Bei diesen Begegnungen wollen wir unsere ehemaligen Nachbarn, Verwandten und Freunde treffen. Wir sollten der Mittelpunkt dieses Treffens sein. Die Honoratioren dürfen lediglich dabei sein und Anteil an unserer Freude haben!
Noch eines ist mir aufgefallen! Einige Redner sprachen ständig vom „Jomendorf-Treff“. Das hat ihnen wahrscheinlich die Dekoration des Saals so vermittelt. An dieser Stelle möchte ich allen klar machen, dass wir in Meinerzhagen ein „Kirchspiel-Groß-Bertung-Treffen“ gefeiert haben. Das haben wir, der Verein, dessen Mitglieder beinahe aus allen Dörfern unseres ehemaligen Kirchspiels kommen, auch in der letzten Vereinssitzung so beschlossen. Wir haben es versäumt, die Dekoration des großen Saals entsprechend zu gestalten. Wenn allerdings ein Redner nur die Jomendorfer bei unserem Treffen begrüßt, dann grenzt er automatisch die anderen aus. So haben wir das nicht gewollt! Ich bin mir sicher, dass wir in der nächsten Vereinssitzung, die im März 2009 stattfinden wird, entsprechende Beschlüsse hierzu fassen und sie auch beim nächsten Treffen umsetzen werden. Darum bitte ich jetzt schon alle meine Vereinsfreunde! Alle, aber wirklich alle, auch unsere Gäste, die von außerhalb des Kirchspiels kommen, müssen sich zugehörig fühlen!
Selbstverständlich haben wir wieder viel gelacht. Aber es gab auch Trauriges zu erzählen. Helena Jatzkowskis Sohn wurde vor anderthalb Jahren auf der Autobahn durch einen Geisterfahrer (wahrscheinlich einen Selbstmörder) getötet. Er wurde gerade … Jahre alt. Außerdem konnte unsere treue Besucherin Marta Matejna aus gesundheitlichen Gründen nicht am Treffen teilnehmen. Stellvertretend für alle, die, wie Marta, aus diesem Grund nicht nach Meinerzhagen kommen konnten, wünschen wir, der Verein, und auch die Redaktion der Jomen-Post, alles Gute. Wir hoffen, euch in zwei Jahren wieder zu sehen.
Gefreut hat mich, dass Frau Rosmaity mit ihren zwei Töchtern am Treffen teilgenommen hat. Ich nehme an, dass sie durch diese Begegnung für ein paar Stunden den Schmerz vergessen konnten, den sie wegen des Verlustes von Ehemann und Vater in sich tragen. Gustav starb im Juni dieses Jahres. Nathalie, Gustavs Enkelin, hat ihrem lieben Opa Skatkarten in den Sarg gelegt. Denn jetzt, so ihre Idee, sind alle drei großen Skatspieler aus Jomendorf (Erwin Denda, Gustav Rosmaity und Paul Sadowski) im Himmel zusammen. Und was sollten sie dort anderes tun, wenn nicht ihrer Leidenschaft, dem Skatspielen, nachgehen. Gerne würde ich mir diese Runde einmal anschauen. Meine Oma (Behrendt) aber prophezeite mir, und ich befürchte, dass dies auch so kommen wird, da ich oft frech zu ihr war: „Ty dioble nigdy z psiekła nie wyjdziesz!“ („Du Teufel wirst niemals die Hölle verlassen!“).
Ja! Ich weiß, dass es noch viel mehr über Todesfälle aus unserer Gemeinschaft zu berichten gäbe. Viele Namen wurden schon von Herbert Monkowski während des offiziellen Teils unseres Treffens erwähnt. In der nächsten Ausgabe der Jomenpost werden wir diese nochmals veröffentlichen, sofern sie uns bekannt sind. Immer, wenn ich Jatzkowskis Mädels sehe, würde ich am liebsten fragen: Warum ist Janek nicht gekommen? Es ist kaum zu glauben, wie lebendig er noch in meiner Erinnerung verankert ist. Er war ein treuer Besucher unserer Treffen! Und so geht es mir mit vielen, die, wie Janek, nicht mehr bei uns sein können.
Viele haben mich nach meiner Frau gefragt. Ich konnte immer nur die gleiche Antwort geben: „Ich nehme doch kein Holz in den Wald.“ Unsere Mädels aus dem Kirchspiel sind doch so hübsch, dass ich einmal in zwei Jahren auf die Anwesenheit meiner auch hübschen Frau verzichten kann. Und so konnte ich ungestört mit vielen, leider nicht mit allen, unseren Mädels tanzen und flirten. Den Tanzabend haben Edith (geb. Dolewski) und Alfred Behrendt mit einem Tango Argentino eröffnet. Diesen ausdruckstarken Tanz haben sie uns einfühlsam präsentiert. Dass meine Schwägerin tänzerisch alle ihre Empfindungen ausdrücken kann, wusste ich, von meinem Bruder wurde ich angenehm überrascht. Nach dieser Vorführung kamen wir, die Unbedarften, zum Einsatz. Erstaunlicherweise entwickelte sich unsere Leidenschaft zum Tanzen erst, nachdem mehr oder weniger angekündigt wurde: Gleich ist Schluss! Auf einmal waren viele auf der Tanzfläche! In zwei Jahren werden wir den Schlusstanz schon viel früher ankündigen. Vielleicht werden wir uns dann alle zum Tanzen bewegen können.
Was auch noch schön war: Wir verabschiedeten uns mehrmals, und das auch sehr leidenschaftlich, denn es würde ja zwei Jahre dauern, bis wir uns wieder sehen. Aber alles blieb, wie sich das unter guten Christen gehört, im Rahmen der biblischen Moral.
Wie sagte doch Allo um zwei Uhr nachts: Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Treffen! Ich auch, lieber Allo! Und mit uns auch viele andere, dessen bin ich mir sicher!
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